Erwin Neu (1908–2002) – Träger der Bürgermedaille Offenburg

Erwin Neu wurde 1908 in Straßburg geboren. Martin Ruch hat 1998 das Schicksal der Familie des Trägers der Offenburger Bürgermedaille beschrieben. Der Vater Emil Neu (1874–1944) betrieb mitten in Straßburg eine Wäschefabrik mit einem Aussteuergeschäft, die Mutter Anna war 1916 verstorben. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Emil Neu wie andere Deutsche aus dem Elsass ausgewiesen. Er siedelte sich daraufhin in Offenburg an, begann erneut mit dem Aufbau einer Wäschefabrik und holte die Kinder nach. 1922 wurde er zum Vorsteher der israelitischen Gemeinde von Offenburg gewählt. Sohn Erwin besuchte das Offenburger Gymnasium und machte 1926 Abitur. Anschließend studierte er Zahnmedizin an der Universität Freiburg, erhielt eine Assistentenstelle und wurde 1931 promoviert. Er war Mitglied der schlagenden Verbindung „Guestphalia“, der auch andere jüdische Studenten angehörten. Am 11. April 1933 wurde Erwin Neu von der Universität ausgeschlossen, weil er Jude war.

Am 7. September 1939 schloss er sich der französischen Freiwilligen-Armee an. Nach deren Auflösung 1940 betreute er in Paris im Auftrag eines Komitees als Zahnmediziner jüdische Flüchtlinge. Als er von der Deportation seiner Eltern ins Lager Gurs erfuhr, bemühte er sich um deren Freilassung – mit Erfolg. Inzwischen war er im Besitz einer französischen Kennkarte und hatte als Sohn Anspruch auf die Freigabe seiner Eltern. Es gelang ihm, die Eltern zu Verwandten in die Schweiz zu bringen. Im Sommer 1942 floh Erwin Neu in das „freie“ Frankreich (France libre) und schloss sich in Pau der Résistance an.

Nach dem Krieg richtet er in Paris eine Zahnarztpraxis ein. Seine erste Frau Sofie Katz, mit der er die Tochter Edith Neu (1942–1971) und den Sohn Georges Neu (geb. 1964) hatte, starb 1968. Im Jahr darauf heiratete er Paulette Benroubi. Er wurde Präsident der „Solidarité“, eines Hilfswerkes für bedürftige jüdische Flüchtlinge aus Deutschland und Österreich. Der Verein kümmert sich auch um die Erhaltung des Nationaldenkmals im Lager Gurs. Gemeinsam mit Arnold Lederer (1913–2010) vertrat Erwin Neu die Gemeinschaft der „Offenburger im Ausland“, in der sich die vor den Nationalsozialisten geflohenen Exil-Offenburger zusammengefunden haben. Er diente der Stadt Offenburg als Ansprechpartner in Sachen der Erinnerung an die Untaten des Naziregimes.

1978 verlieh die Bundesrepublik Deutschland Dr. Erwin Neu das Bundesverdienstkreuz, 1992 ehrte ihn die Stadt Offenburg mit der Bürgermedaille. 2002 ist Erwin Neu im Alter von 93 Jahren in Paris verstorben.

 

Dieter Petri

Literatur

Ruch, Martin: Aus der Heimat verjagt. Zur Geschichte der Familie Neu. Konstanz 1998

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