Förderverein Ehemalige Synagoge Kippenheim e.V.

Der Förderverein Ehemalige Synagoge Kippenheim e. V. ist Träger der Gedenk-, Lernund Begegnungsstätte Ehemalige Synagoge Kippenheim.

 

 

Der 1996 gegründete Verein orientiert seine Arbeit an den drei Aspekten Erinnern - Lernen - Begegnen.

 

In der Erinnerungsarbeit machen die Berichte von Zeitzeugen einen wichtigen Bestandteil des Veranstaltungsprogramms des Fördervereins aus. Die Synagoge ist mittlerweile ein anerkannter Lernort für Schule, Erwachsenenbildung und Jugendarbeit. Dazu werden auch Führungen durch die Ehemalige Synagoge, den Friedhof in Schmieheim und das jüdische Kippenheim für Schulklassen und für Erwachsenengruppen angeboten. Mit seinem vielfältigen Programm und durch eine breite kulturelle Nutzung der Ehemaligen Synagoge durch Künstler und Musiker will der Förderverein unterschiedliche Zielgruppen ansprechen und Begegnung initiieren. Damit möchte er einen zukunftsorientierten Beitrag zu mehr Dialogbereitschaft und Toleranz in der Gesellschaft leisten.

 

Der Förderverein ist Mitglied der Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten und Gedenkstätteninitiativen in Baden-Württemberg, die durch die Landeszentrale für politische Bildung unterstützt wird. Studienfahrten für Schüler- und Jugendgruppen nach Kippenheim fördert das baden-württembergische Kultusministerium.

 

Historische Fotografien für Menschen mit Blindheit und Sehbehinderung zum Sprechen bringen

Schülerinnen und Schüler aus Lahr und Freiburg erweitern Fotosonderausstellung in der Ehemaligen Synagoge Kippenheim um inklusive Features

Kippenheim, 8. Juni 2024

 

Wie können Menschen mit Blindheit und Sehbehinderung an einer Fotografiesonderausstellung teilhaben, ohne die visuellen Exponate sehen zu können?

Diese Frage stand im Zentrum einer mehrwöchigen Projektarbeit von Schülerinnen und Schülern im Geschichtsunterricht der Oberstufe am Max-Planck-Gymnasium in Lahr und am St. Ursula Gymnasium in Freiburg. Ausgehend von der in den Räumlichkeiten der Ehemaligen Synagoge in Kippenheim gezeigten Fotografiesonderausstellung zu den sogenannten Deportationsfotografien badischer Jüdinnen und Juden nach Gurs im Jahr 1940 gestalteten die Jugendlichen mittels QR-Codes abrufbare Audio-Features. Hierin werden auf vielfältige Weise die ausgewählten Fotografien der Ausstellung zum Sprechen gebracht und digital erweitert. Neben einer systematischen Beschreibung und einer gründlichen Einordnung in den historischen Kontext zur Regionalgeschichte im Nationalsozialismus wurde ein besonderer Schwerpunkt auf die Darstellung der vielfältigen Verwendungs-, Nutzungs- und Gebrauchsgeschichte der einzelnen Abbildungen gelegt.

Die beiden beteiligten Geschichtslehrer Florian Hellberg (Max-Planck-Gymnasium Lahr) und Tobias Roth (St. Ursula Gymnasium Freiburg) freuen sich, dass ihre Schülerinnen und Schüler im Rahmen der Bildungspartnerschaft, die ihre Schulen mit der Ehemaligen Synagoge Kippenheim verbindet, dazu beitragen, den Lern-, Gedenk- und Erinnerungsort inklusiver und damit barrierefreier zugänglich zu machen. Auch Hannelore Zink, eine der ersten Besucherinnen mit Sehbehinderung, würde sich freuen, auch bei zukünftigen Ausstellungen ein derartiges Angebot zur Teilhabe wahrnehmen zu dürfen.

Die Ergebnisse können fortan in der Sonderausstellung der Ehemaligen Synagoge Kippenheim von den Besucherinnen und Besuchern abgerufen werden.

Nora Mussler

 

 

Auf den letzten Blick - Mitschnitt der Musikalisch- szenische Inszenierung vom 7. März 2024

Musikalisch- szenische Inszenierung zur Ausstellung „von der Bevölkerung kaum wahrgenommen...“ in der Ehemaligen Synagoge Kippenheim.

Sehen Sie hier den Mitschnitt (https://www.youtube.com/watch?v=M6aImm1tHIU)

Ende 1995 sind aus einem privaten Nachlass fünf Fotografien aufgetaucht – historische Zeugnisse der Deportation der letzten 31 Jüdinnen und Juden aus Kippenheim am 22. Oktober 1940. Von diesen 31 Personen wurden 18 in Gurs und in Auschwitz ermordet, nur 13 überlebten die Vernichtungsmaschinerie der Nationalsozialisten. An diesem Tag wurden in Baden aus 138 Dörfern und Städten über 5600 Jüdinnen und Juden deportiert. Dies geschah öffentlich, vor aller Augen. Dennoch sind nur wenige fotografische Zeugnisse überliefert: aus Bruchsaal, aus Bretten, aus Lörrach, aus Tauberbischofsheim, aus Weingarten, aus Gailingen und eben aus Kippenheim.

Menschen haben hingesehen, sie haben sogar Fotos davon gemacht. Diese Fotos widersprechen der Aussage des Chefs der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes Reinhard Heydrich, wonach die Deportation der sogenannten Wagner-Bürckel-Aktion „von der Bevölkerung kaum wahrgenommen“ worden sei. Diese Fotos sind Zeugnisse. Zeugnisse dafür, dass es Zeugen gab, dass das Unrecht, am helllichten Tag passierte, dass die Menschen hinsahen, nur um danach schnell wegzusehen.

Warum gibt es dennoch so wenig Bilder? Es gab kein direktes Fotografieverbot, jedoch haben die Präsenz von Polizei und Gestapo allein wohl häufig den gleichen Zweck erfüllt. „Irgendwie war es verboten“, es fühlte sich auf alle Fälle verboten an und wurde deshalb unterlassen. Zudem waren Fotoapparate damals nicht sehr verbreitet, nicht jeder hatte ein Smartphone in seiner Hosentasche. Viele der gezeigten Bilder sind zudem Zufallsfunde, es könnte also noch weiteres unentdecktes Bildmaterial auf Dachböden, in Kellern oder in Schuhkartons geben.

Sprechen die Bilder für sich? Nein, wir müssen sie zum Sprechen bringen. Und genau das wollen wir mit dieser musikalisch-szenischen Inszenierung tun.

Die Theater-AG der Oberstufe des Max-Planck-Gymnasiums unter der Leitung von Aïsha Hellberg sowie die Kompositions-AG des Clara-Schumann-Gymnasiums unter Leitung von Christian Wenzel setzten sich mit den sogenannten Deportationsfotografien aus Baden auseinander, die erstmals in der Ausstellung „von der Bevölkerung kaum wahrgenommen…“ gemeinsam gezeigt werden und das geschehene Unrecht bezeugen. Ausgehend von den Bildern entwickelte die Theater-AG Szenen und Performances, die Kompositions-AG unter Leitung von Christian Wenzel näherte sich musikalisch den Fotografien an. Durch das fruchtbare Zusammenspiel dieser beiden Ansätze entstand die musikalisch-szenische Inszenierung Auf den letzten Blick, die die Fotos zum Sprechen bringen und damit den Opfern nationalsozialistischen Unrechts eine Stimme geben will. Die Inszenierung erhebt dabei nicht den Anspruch, die von Uwe Schellinger beklagten „unterbelichteten Erinnerungen“ historisch aufzuarbeiten, vielmehr soll hier in theatral-musikalischer Form erinnert werden an die Opfer nationalsozialistischen Unrechts und daran, wozu es führen kann, wenn man hinschaut, aber dann wegschaut, statt etwas zu tun.

 

Theater-AG

Madita Bernack, Eilyn Cabrera Martinez, Anne Gerhardt, Alina Jäger, Malina Lachmann, Elin Mamat, Madeleine Schaak, Mika Schuvje, Aurica Stelz

Kompositions-AG

Annika Baumbusch, Constantin Fedorez, Jonah Keyser, Maike Schertling, Jonathan Vogt

Musikalische Leitung  Christian Wenzel

Text und Regie: Aïsha Hellberg

Plakat/ Programmheft : Carla Wichmann

Live-Mitschnitt : Alexander Weigand

Quellen/ Zum Weiterlesen:

#lastseen Bildatlas (https://atlas.lastseen.org/)

Kurt Salomon Maier: Unerwünscht. Kindheits- und Jugenderinnerungen eines jüdischen Kippenheimers, Ubstadt-Weiher u. a. 2011.

Uwe Schellinger: Vortrag über Unterbelichtete Erinnerung: Fotohistorische Zugänge zur Deportation der badischen Juden am 22.10.1940, in: AG für geschichtliche Landeskunde am Oberrhein e.V., Protokoll über die Arbeitssitzung am 13.12.2001, S. 27-28.

 

Ausstellung Deportationsfotos

Frühjahr-Sommer-Ausstellung; „… von der Bevölkerung kaum wahrgenommen“. Fotografien zur Deportation der badischen Jüdinnen und Juden nach Gurs am 22. Oktober 1940

Das Foto zeigt die Abholung des Ehepaars Auerbacher. Quelle: Jüdisches Museum Berlin

Menschen haben hingesehen, sie haben sogar Fotos von der Deporation gemacht. Diese Fotos widersprechen der Aussage des Chefs der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes Reinhard Heydrich, wonach die Deportation der sogenannten Wagner-Bürckel-Aktion „von der Bevölkerung kaum wahrgenommen“ worden sei. Diese Fotos sind Zeugnisse. Zeugnisse dafür, dass es Zeugen gab, dass das Unrecht, am helllichten Tag passierte, dass die Menschen hinsahen, nur um danach schnell wegzusehen.

Warum gibt es dennoch so wenig Bilder? Es gab kein direktes Fotografieverbot, jedoch haben die Präsenz von Polizei und Gestapo allein wohl häufig den gleichen Zweck erfüllt. „Irgendwie war es verboten“, es fühlte sich auf alle Fälle verboten an und wurde deshalb unterlassen. Zudem waren Fotoapparate damals nicht sehr verbreitet, nicht jeder hatte ein Smartphone in seiner Hosentasche.

 

Erstmals werden alle bislang bekannten Aufnahmen aus Baden (Bretten, Bruchsal, Gailingen, Kippenheim, Lörrach Tauberbischofsheim und Weingarten) gemeinsam gezeigt.

Am 22. Oktober 1940 wurden über 6.400 badische und saarpfälzische Jüdinnen und Juden im Auftrag der NSDAP-Gauleiter Robert Wagner und Josef Bürckel abgeholt und nach Frankreich verschleppt. Mancherorts in Baden wurde fotografiert, in Bruchsal sogar gefilmt. Ganz entschieden widersprechen diese visuellen Zeugnisse der Aussage des Chefs der Sicherheitspolizei und des SD Reinhard Heydrich, wonach die Deportation der sogenannten Wagner-Bürckel-Aktion „von der Bevölkerung kaum wahrgenommen“ worden sei. Die Ausstellung kann bei öffentlichen Führungen und von Mai bis September 2024 an den Sonntagen zwischen 14 und 17 Uhr besichtigt werden.

Max Josef Metzger (Foto privat)

Seligsprechung von Max Josef Metzger (1887-1944) zeichnet sich ab.

Das neue virtuelle Gedenkbuch im jüdischen Museum Emmendingen jetzt auch im Netz

Zu der Entscheidung erklärte der Freiburger Erzbischof Stephan Burger am Freitag (15.03.): „Diese Entscheidung (   ) macht den Weg endlich frei für die Seligsprechung. Darauf haben viele Menschen in der Erzdiözese Freiburg lange gewartet. Rom würdigt damit einen Verfechter des Friedens und Gegner des Nationalsozialismus. Max Josef Metzger hat sich in finsteren Zeiten für Menschlichkeit eingesetzt, als viele andere schwiegen. Damit ist er für uns ein Vorbild, sich für den Frieden in unserem Land wie in der Welt zu engagieren.“

Seine Erfahrungen als Feldgeistlicher im Ersten Weltkrieg hatten Max Josef Metzger zu einem radikalen Pazifisten gemacht. Wegen seiner vielfältigen Aktivitäten geriet Max Josef Metzger ins Visier der Gestapo. Metzgers ökumenische Friedensverbindungen zu Erzbischof Eidem von Uppsala/Schweden führten am 29. Juni 1943 zu seiner Verhaftung. In einem Schauprozess vor dem Volksgerichtshof wurde er wegen "Hochverrat und Feindbegünstigung" als "allzeit ehrloser Volksverräter" verurteilt und nach acht Monaten in der Todeszelle am 17. April 1944 hingerichtet. 

Dr. Christian Heß, Regens des Erzbischöflichen Priesterseminars Collegium Borromaeum, berichtet anlässlich des 75. Todestag von Max Joseph Metzger (1887-1944) über dessen Verhältnis zum Judentum und über sein christlich geprägtes Friedensengagement gesprochen. Die Mutter des Märtyrers, Anna, geb. Gänshirt, stammte aus Kippenheim

 

 

Dieses Gedenkbuch ist ein Projekt des Jüdischen Museums Emmendingen und das Nachfolgeprojekt einer im Museum stehenden Medienstation, die über das Gedenkbuch hinaus viel Wissenswertes über die Israelitische Gemeinde Emmendingen von 1716 bis 1940, über die heutige Jüdische Gemeinde in Emmendingen und die Museumsarbeit enthält.

Das Gedenkbuch erinnert an die Schicksale von 534 Jüdinnen und Juden, die die Zeit des Nationalsozialismus erleiden mussten. Sie alle wurden entweder in Emmendingen geboren oder sind dort aufgewachsen, oder sind nach der Machtübertragung auf die Nationalsozialisten im Januar 1933 nach Emmendingen gezogen.

Nach der Machtübertragung zogen Emmendinger Jüdinnen und Juden insbesondere nach dem Novemberpogrom in größere Städte, wo sie hofften besser überleben zu können. Vor allem jüngeren Menschen und Familien gelang noch rechtzeitig die Emigration, ehe am 22. Oktober 1940 die in Südwestdeutschland verbliebenen Jüdinnen und Juden ins südfranzösische Internierungslager Gurs deportiert wurden.

Weitere Info bitte hier klicken: https://juedisches-leben-in-emmendingen.de/memorialbook/

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