Stolpersteine Bahnhofstr. 2

Ella (Bella) Wachenheimer, geb. Eichel

1894 Hanau am Main

1942 Auschwitz 

 

       

 

Hugo Wachenheimer

1889 Kippenheim

1942 Auschwitz                            

Hugo Wachenheimer führte mit seinem Bruder Oskar (1893-1942) ein Stoffwarengeschäft in der Unteren Hauptstraße 13. In diesem Haus war auch die Wohnung von Oskar Wachenheimer, dem Bruder Hugos und seiner Frau Käthe (1900-1942) untergebracht. Hugo und seine Frau Ella wohnten in der Bahnhofstraße. 1924 kam ihre Tochter Hedy, verh. Epstein (1924-2016) zur Welt. Der Haushalt der kleinen Familie vergrößerte sich 1935 durch den Zuzug Heinrich Eichels (1868 -1940), dem Vater von Ella Wachenheimer, der nach der erzwungenen Aufgabe seines Schuhladens in Hanau nach Kippenheim zog. 1937 zog Heinrich Eichel in das jüdische Altersheim in Gailingen, kam aber oft zu längeren Besuchen nach Kippenheim.

Novemberpogrom 1938

Hedy Wachenheimer war neben Hans Durlacher das einzige jüdische Kind, das im Herbst 1938 noch das Ettenheimer Gymnasium besuchen durfte. Sie vermutete die Teilnahme ihres Vaters als deutscher Soldat im Ersten Weltkrieg als Grund für diese Ausnahme. Trotz dieses Einsatzes für das Vaterland wurde Hugo Wachenheimer am 10. November 1938 (Novemberpogrom 1938) festgenommen und in das KZ-Dachau bei München verschleppt. Seine Frau Ella, verstört durch die brutale Verhaftung ihres Mannes, flüchtete zu ihrer Schwägerin Käthe in der Unteren Hauptstraße 13. Vom Fenster aus sahen die beiden Frauen, wie die SS ihre und die anderen jüdischen Männer in Richtung des Bahnhofs in Lahr-Dinglingen trieben.

Wachenheimer versuchte bei der Gestapo eine baldige Rückkehr ihres Mannes zu erreichen. Etwa vier Wochen nach seiner Verhaftung erhielt sie die Auskunft, dass dieser, sollte er bis Freitag der Woche immer noch nicht aus Dachau zurück sein, nicht mehr am Leben sei. Tatsächlich wurde er an diesem Freitag aus Dachau entlassen. Seine Tochter Hedy erinnert sich an den Abend, als er nach Hause kam: „Seine Hände hatten Frostbeulen und waren auch verbrannt von der heißen Suppe, die er täglich von der Lagerküche in die Baracke brachte in einem großen Topf für alle seine Barackenkameraden. Wir schlugen vor, dass er sich waschen soll und andere Kleider anziehen soll.  Aber er weigerte sich. Endlich fanden wir heraus, warum er nicht willig war. Er wurde in Dachau geschlagen. Seine Arme und sein Körper waren so geschwollen, dass er seine Jacke nicht ausziehen konnte. Meine Mutter nahm eine Schere und schnitt die Jacke von seinem Körper. Einige Stunden später hatte mein Vater einen Herzinfarkt.“ Der Kippenheimer Arzt Dr. Bernhard Weber kam nachts, um Hugo Wachenheimer zu behandeln, solange bis er sich wieder erholt hatte.

Kindertransport der Tochter Hedy nach England 1939

Hugo und Ella Wachenheimers Versuche auszuwandern, scheiterten an der mangelnden Bereitschaft der Aufnahmeländer. Als eine Hilfsorganisation ihnen anbot, ihre Tochter im Mai 1939 mit einem Kindertransport nach England zu schicken, stimmten sie - nach erstem Zögern - schweren Herzens zu. Der Anblick, wie ihre Eltern tränenüberströmt dem Zug bis zum Bahnsteigende hinterherliefen, wie sie immer kleiner wurden, bis sie nur noch winzige Punkte waren, war für Hedwig Wachenheimer im gegenwärtig. Sie haderte lange mit der Entscheidung ihrer Eltern. In ihrer Autobiografie „Erinnern ist nicht genug“ (1999) schrieb sie: „Erst später wurde mir klar, dass sie mir damit mein Leben gerettet hatten.“

Deportation 22. Oktober 1940

Am 22. Oktober 1940 wurden Hugo und Ella Wachenheimer in das Lager Gurs in Südwestfrankreich verschleppt. Dort trafen sie auf die aus Freiburg abgeholten Eltern von Hugo Wachenheimer. Hugo Wachenheimers Mutter, Lina, geb. Hermann (1883-1940), starb am 26. Oktober 1940, gleich nach ihrer Ankunft in Gurs, ihr Mann Max Wachenheimer (1862-1942) am 11. Dezember 1942 im Lager Recebedou.

Transport nach Auschwitz 1942

Hedy Epstein berichtet in ihrer Autobiografie über ihre letzten Kontakte mit ihren Eltern: „Obwohl die Zustände im Lager schrecklich waren, schrieben mir meine Eltern nie darüber. Im Dezember 1940 starb mein Großvater dort. Im Frühjahr 1941 wurde mein Vater nach Camp Les Milles deportiert. Die Insassen dieses Lagers durften nur eine Seite in der Woche schreiben. Damit meine Eltern miteinander in Verbindung bleiben konnten sowie auch mit mir, schrieb zum Beispiel mein Vater auf die eine Seite des Briefes, schickte ihn zu meiner Mutter, sie schrieb auf die andere Seite und schickte dann den Brief zu mir. (…) Im Juli 1942 wurde meine Mutter ins Camp de Rivesaltes in der Nähe von Perpignan umgesiedelt. Dann erhielt ich die Nachricht von meinem Vater, dass er am 12.  mit einem Transport mit unbekanntem Ziel deportiert werde. Ein paar Wochen später erhielt ich einen Brief meiner Mutter vom 1. September 1942 und dann noch eine Postkarte vom 4. September 1942 aus Montauban mit folgendem Text: 'Auf der Fahrt nach dem Osten sendet Dir von Montauban noch viele Abschiedsgrüße Deine liebe Mutti.' Das war das Letzte, das ich von meinen Eltern hörte."

Hugo und Ella Wachenheimer wurden von dem Sammellager Drancy bei Paris am 10. August 1942 (Transport 21) bzw. 11. September 1942 (Transport 31) nach Auschwitz deportiert. Vermutlich wurde sie noch am Tag ihrer Ankunft dort ermordet.

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