Salomon Auerbacher-Rosenfeld betrieb einen Stoffhandel sowie einen Gemischtwarenhandel in der Bergstraße 4. Um nicht mit seinem Cousin Salomon Auerbacher (Momo) aus der Bergstraße 10 verwechselt zu werden, kombinierte er seinen Familiennamen mit dem seiner Ehefrau Auguste. In den 1920er Jahren stellte er sich zur Wahl für das Amt eines Gemeindeverordneten, auch sonst beteiligte er sich am gesellschaftlichen und politischen Leben seines Heimatortes, was ihm bei Juden wie bei Christen großen Respekt einbrachte.

Als nach ihrer Machtübernahme 1933 die Nationalsozialisten den Druck auf die jüdische Bevölkerung stetig erhöhten, erlaubten die Eheleute Auerbacher 1936 ihrem 16jährigen Sohn Leopold nach Palästina auszuwandern – trotz großer Bedenken. Salomon Auerbacher war kein Zionist, aber es war ihm wichtig, dass ein Mitglied seiner Familie in Palästina Fuß fasste, um Familienmitglieder aufnehmen zu können, sollte sich die Lage für die deutschen Juden noch weiter verschlechtern. Das Ehepaar dachte nicht ans Auswandern, Auguste Auerbacher wollte ihre in Eichstetten lebende Mutter nicht allein zurücklassen. Während des Novemberpogroms (10.11.1938) brachten die Nationalsozialisten Salomon Auerbacher-Rosenfeld, wie auch die anderen jüdischen Männer Kippenheims, in das KZ Dachau. Das badische Finanzministerium nutzte die Zeit ihrer Abwesenheit, um sich Informationen über deren wirtschaftlichen Lage einzuholen. Es wurde noch im November 1938 ein „Verzeichnis der jüdischen Gewerbebetriebe“ zusammengestellt. Darin heißt es zu Salomon Auerbacher-Rosenfeld: „Stoffhandel, Gemischtwaren Bergstr. 244 [heute Bergstraße 4], offene Verkaufsstelle. Betrieb eingegangen. Keine Arbeiter, keine Angestellten.“

Am 22. Oktober holten Angehörige der Grenzpolizei die letzten noch in Kippenheim lebenden 31 Jüdinnen und Juden aus ihren Häusern und fuhren sie mit LKWs zum Offenburger Bahnhof. Ein sich in Kippenheim aufhaltender Fotograf fotografierte das Ehepaar Auguste und Salomon Auerbacher-Rosenfeld, wie es auf einen der LKWs zulief. Auch eine Nachbarin war Zeugin der Abholung: „Sie wurden als letzte …. abgeholt. Salomon Auerbacher zog drei Anzüge übereinander an, da der Befehl der SS lautete, dass sie alles was sie auf der Haut tragen, mitnehmen durften. Sie wurden mit einem LKW abgeholt, wobei sie immer und immer wieder geschlagen wurden, bis sie bluteten." Die Eheleute waren die letzten, die den LKW bestiegen. Ihr Gepäck mussten sie zurücklassen, weil sich kein Platz mehr dafür auf dem LKW fand. Die Wagen fuhren zum Offenburger Bahnhof, wo ein Sonderzug auf sie wartete, der sie in einer mehrtägigen Fahrt in die Stadt St. Oleron Ste. Marie in Südwestfrankreich brachte. Dort standen wieder LKWs, die sie zum Barackenlager Gurs fuhren.

In einem Brief aus dem Lager schildert Auguste Auerbacher ihrem Sohn Leopold die Abholung von ihr und ihrem Mann: „Dass wir so schnell unser Haus verlassen mussten, hast Du ja aus meiner Post gelesen, was keine leichte Sache für uns war, denn wir durften, weil wir zuletzt abgeholt wurden, gar nichts mitnehmen, so dass Dein lieber Papa und ich nur mitnehmen durften, was wir auf dem Körper hatten, aber alles wollen wir vergessen, wenn wir nur gesund zu Dir lieber Poldi kommen. […] Wir hatten unsere letzte Post von Dir Ende Mai oder Anfang Juni, u. Du weißt doch, wie Deine so schwer geprüften Eltern auf Deine Antwort warten! Wenn unsere Geldverhältnisse es erlauben würden, hätte ich Dir schon längst ein Telegramm gesandt, aber wir durften jeder nur 100,- Mark mitnehmen u. sonst alles zu Hause lassen. Lieber Papa ist in Ilot E, Baraque 19. Liebe Großmutter ist hier am 6. Dezember gestorben, u. daß liebe Oma im März gestorben ist, weißt Du ja. […] Wir sind noch 30 Kippenheimer hier.“  Als mittelloser Immigrant war es dem 20jährigen Sohn Leopold nicht möglich, etwas für seine Eltern zu tun, was ihn zeitlebens belastete.

Laut dem „Gedenkbuch für die Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945“ wurden Auguste und Salomon Auerbacher-Rosenfeld am 6. August 1942 in das Sammellager Drancy verschleppt und wenige Tage später am 10. August 1942 mit dem Transport Nr. 10 nach Auschwitz deportiert.

 

 

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