Die ehemalige Synagoge in Kippenheim - ein Denkmal von besonderer Bedeutung für das Land Baden-Württemberg.
Die 1850-52 erbaute Synagoge demonstriert das Selbstbewusstsein der aus der "Judengasse" in das Ortsinnere gezogenen Kippenheimer Juden. Um ihren neuerworbenen Status als Staatsbürger zu
dokumentieren, gaben sie ihrem Gotteshaus ein repräsentatives Äußeres. Sie wählten den neuromanischen Stil, der als der prägendste Synagogenstil des 19. Jahrhunderts gilt.
Die Synagoge wurde im November 1938 entweiht. Die Nationalsozialisten verbrannten die Ritualgegenstände und demolierten die Inneneinrichtung. Spuren der Zerstörung sind heute noch zu sehen. Nach dem
Krieg erwarb eine landwirtschaftliche Genossenschaft das Gebäude. Um es für ihre Zwecke nutzen zu können, ließ sie einschneidende Eingriffe vornehmen. Dass hierbei die beiden Türme und der Giebel mit
der Rosette abgetragen und die rundbögigen Abschlüsse der Fenster begradigt wurden, kann nur als Ausdruck der Verdrängung der mit der Synagoge verbundenen Verfolgungsgeschichte der Kippenheimer Juden
empfunden werden.
Wegen ihres geschichtlichen und kunstgeschichtlichen Ranges wurde sie vom Innenministerium Baden-Württemberg 1981 als "Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung" eingestuft. Die Kommune Kippenheim
erwarb das Gebäude.1987 erfolgte eine Renovierung. Während die Fassade wieder ihren ursprünglichen Zustand erhielt, wurde das Innere lediglich gesichert.
Die Innenrenovierung
Schon bald nach seiner Gründung im Jahre 1996 entwickelte der Förderverein in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Kippenheim und dem Landesdenkmalamt ein Renovierungskonzept für das Gebäudeinnere, das
zunehmend dem Verfall preisgegeben war. Ziel des Konzeptes war es, die ehemalige Synagoge als Gedenkstätte und Veranstaltungsort nutzbar zu machen und die Spuren der Geschichte und damit die
unterschiedlichen Verwendungszwecke seit der Erbauung des Gebäudes so weit wie möglich sichtbar zu lassen. Deshalb wurde auch auf eine Wiederherstellung der Wand- und Deckenmalereien verzichtet. Die
teilweise umstrittene Entfernung der Decke und der damit einhergehende Einbau von Emporen betont nun den ursprünglichen sakralen Charakter des Gebäudes, der durch die wiederhergestellte Außenfassade
bereits vorgegeben ist.
Ab März 2002 wurde die ehemalige Synagoge für die Öffentlichkeit geschlossen und mit bauvorbereitenden Maßnahmen begonnen. Mit der eigentlichen Innenrenovierung, an der auch viele Kippenheimer Firmen
beteiligt waren, wurde dann im Winter 2002 begonnen. Neben dem Entfernen der Holzdecke und dem Einbau der modernen Stahl-Holz-Emporen wurde der Wand- und Deckenputz gereinigt und gesichert. Der
wieder gefundene alte Sandsteinboden konnte von Zementresten vorsichtig gereinigt und mit ergänzenden neuen Sandsteinplatten wieder verlegt werden. Damit eine Nutzung des Gebäudes für Veranstaltungen
möglich ist, erfolgte der Einbau einer Fußbodenheizung mit ergänzenden Heizkörpern. Um mehr Raum zu gewinnen, stimmte das Denkmalamt dem Ausbau des Dachbodens zu. Außerdem bot es sich an, dort die
Toiletten und eine Teeküche unterzubringen. Hier leistete der Verein einen Großteil seiner eingeplanten Eigenleistungen ab. Während der Baumaßnahmen wurde im unterkellerten Bereich des Vorraumes das
1852 eingebaute Ritualbad gefunden. Die Kosten für die Innenrenovierung beliefen sich auf ca. 545.000 €. Sie wurden mit je 102.000 € von der Kommune Kippenheim und der Deutschen Stiftung
Denkmalschutz, mit je 51.100 € vom Ortenaukreis und der Denkmalstiftung Baden-Württemberg und mit 184.000 € vom Landesdenkmalamt finanziert. Der Förderverein muss ca. 50.000 €, durch Eigenmittel und
Eigenleistung erbringen. Der Förderverein erfuhr dabei viel Unterstützung durch Sponsoren, Helferinnen und Helfer, Benefizkonzerten und das Entwicklungsprogramm ländlicher Raum.
Zeittafel
1793 - Bau einer Synagoge im "Judengässle", es gab einen Vorgängerbau 
1850 - Baubeginn der neuen Synagoge in der Poststraße, 35 jüdische Familien leben in Kippenheim
1852 - Einweihung der Synagoge
1911 - die Synagoge wird zum ersten Mal renoviert (Tafel im Vorraum)
1938 - Novemberpogrom: Die Synagoge wird von Angehörigen der Lahrer Gebietsführerschule der Hitlerjugend demoliert
1940 - Deportation der Kippenheimer Juden am 22.Oktober nach Frankreich
1948 - im Kippenheimer Synagogenprozess wird der NSDAP- Kreisleiter Burk zu einem Monat Gefängnis verurteilt
1950 - die Israelitische Landesgemeinde Baden verkauft das Synagogengebäude an einen Privatmann
1956 - die neue Besitzerin Raiffeisenwarengenossenschaft Kippenheim e.G. nimmt schwerwiegende bauliche Veränderungen vor

1981 - die Synagoge erhält den Rang eines "Kulturdenkmals von besonderer Bedeutung"
1983 - die Gemeinde Kippenheim kauft die Synagoge 1987 - Abschluss der Außenrenovierungsarbeiten
1996 - Gründung des "Fördervereins Ehemalige Synagoge Kippenheim e.V."
1998 - im Vorraum der Synagoge wird eine Gedenktafel für die Kippenheimer Opfer der Shoa angebracht
2002 - Beginn der Innenrenovierung
2003 - Abschluss der Innenrenovierung und Eröffnung als Gedenk-, Lern- und Begegnungsstätte für die mittelbadische Region
2010 - Eröffnung der Dauerausstellung "Geschichte und Kultur der Ortenauer Landjuden"
