Förderverein Ehemalige Synagoge Kippenheim e.V.
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Höfer-Fund
Sicherung, Erschließung und Auswertung des sogenannten "Höfer-Fundes"

Der Kippenheimer Metzgermeister Hans Höfer entdeckte bei Renovierungsarbeiten in seinem Haus zu Anfang der 1990er Jahre in der Dachisolierung zahlreiche Dokumente, die eindeutig auf die früheren jüdischen Besitzer des Hauses hindeuten.

Es ist noch ungeklärt, weshalb das Material dort zu finden war, möglicherweise wurde es als unwichtig angesehen und zur Isolierung verwendet, möglicherweise war es aber auch ein bewusstes Versteck.

Teilweise reichen die Unterlagen (Rechnungen, Briefe, Kalender etc.) bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück. Gefunden wurden ca. 800 Einzelschriftstücke. Die entdeckten Dokumente erlauben in einzigartiger Weise einen Einblick in das Werden und Wirken einer landjüdischen Geschäftsfamilie. Der genaue Inhalt und Aussagewert der Unterlagen ist noch offen, zu erwarten sind jedoch detaillierte Aufschlüsse über Umfang und Intensität von Geschäfts- und Handelsbeziehungen eines jüdischen Kaufmanns aus Kippenheim.

Durch einen entsprechenden Antrag des Fördervereins konnte die "Stiftung Kulturgut Baden-Württemberg" mit Sitz im Wissenschaftsministerium für eine Kooperation zur Sicherung und Erschließung des Fundes gewonnen werden. Im Dezember 2000 wurde der Projektantrag des Fördervereins mit einem Zuwendungsbescheid für eine Fördersumme von damals 12.500 DM positiv aufgegriffen.

Daraufhin konnten die Materialien in das Hauptstaatsarchiv Stuttgart überführt werden, wo die weiteren Schritte erfolgten, so etwa erste Säuberungsmaßnahmen und Glättungen.

Im Verlauf des Jahres 2002 wurden die Materialien durch eine externe Restaurierungswerkstatt instandgesetzt. Inzwischen laufen die Arbeiten an der archivischen Erschließung der Unterlagen durch einen Mitarbeiter des Hauptstaatsarchivs Stuttgart. Diese sollen voraussichtlich im Herbst 2003 abgeschlossen sein. Zudem wird eine Verfilmung des Materials erfolgen, um die Originalpapiere zukünftig zu schützen. Danach steht dieser bemerkenswerte Fund aus der Geschichte des südbadischen und spezieller des Kippenheimer Landjudentums der wissenschaftlichen Forschung zur Verfügung.

Uwe Schellinger

Der "Höfer-Fund" hat seinen Platz gefunden

Am 24. September konnte mit der Übergabe der Dokumente und Schriftstücke aus dem Familienarchivs der Familie Weill, an das Ortenauer Kreisarchiv ein guter Abschluss gefunden werden. Gemeinsam mit dem Leiter des Kreisarchivs, Cornelius Gorka nahm die Erste Landesbeamtin Heidi Götz in Vertretung des Landrates die wertvollen Unterlagen entgegen.

Der Kippenheimer Metzgermeister Hans Höfer fand vor einigen Jahren auf seinem Dachboden ca. 800 Schriftstücke darunter Briefwechsel, Rechnungen, Kalender geschäftlicher und privater Natur aus den Jahren 1819 bis 1891 der Familie Weill. Das jetzige Wohnhaus von Hans Höfer hatte bis zum Jahr 1900 die Familie des weltbekannten Komponisten Kurt Weill in Besitz, anschließend bis 1936 die Familie des Metzgers Samuel Wertheimer. Die vielen Dokumente überdauerten die ganzen Jahrzehnte bis Hans Höfer sie zufällig entdeckte. 1998 nahm er Kontakt mit dem Förderverein Ehemalige Synagoge Kippenheim auf, der gerade ein Projekt zur Spurensuche jüdischen Lebens durchführte. So konnten einige Objekte in der Abschlussausstellung "Was blieb - Spuren jüdischen Lebens in der Ortenau" in der ehemaligen Synagoge gezeigt werden. Der wissenschaftliche Beirat des Fördervereins, der Freiburger Historiker Uwe Schellinger nahm sich diesem außergewöhnlichen Fund an. Ihm gelang es durch einen Antrag an die Stiftung Kulturgut Baden-Württemberg Gelder für die notwendigen Restaurierungs- und Erschließungsarbeiten zu bekommen. Das Hauptstaatsarchiv Stuttgart übernahm die Koordinierung der verschiedenen Maßnahmen, die jetzt mit der Erfassung durch Johannes Renz abgeschlossen wurden. Unzählige Dokumente sind in der Zeit des Nationalsozialismus durch die Zerstörung der jüdischen Gemeinden verloren gegangen. Mit den ganz unterschiedlichen Schriftstücken aus Kippenheim, darunter auch im so genannten Judendeutsch verfassten Privatbriefe, stehen der Forschung einmalige Quellen aus dem 19. Jahrhundert zur Verfügung. Sie sind aufschlussreich sowohl für die Erforschung der jüdischen Handelsgeschichte der Region als auch der weit verzweigten Familiengeschichte der Weills. Außerdem sind sie von Bedeutung für die ständige Dokumentation zur jüdischen Geschichte der Ortenau, die voraussichtlich 2006 in der Ehemaligen Synagoge Kippenheim eingerichtet wird.

Renate Kreplin, Kippenheimer Chronik 2004



von links: Johannes Renz, Heidi Götz, Jürgen Stude, Hans Höfer, Cornelius Gorka